Norwegen stand als nächstes auf unserer Liste der Länder, die wir unbedingt einmal ausführlicher kennenlernen wollten. Für unseren Sommerurlaub 2026 haben wir uns schließlich für Südnorwegen entschieden. Mit der Fähre ging es von Kiel nach Oslo und von dort mit dem Auto weiter Richtung Südwesten. Unser Ferienhaus lag in der Gemeinde Vegårshei in Agder, ziemlich genau in einer Region, aus der sich sowohl die Küste mit Orten wie Risør, Tvedestrand, Arendal und Kristiansand als auch das Landesinnere hervorragend erkunden lassen.
Nach zwei Wochen können wir sagen: Norwegen ist landschaftlich wunderschön, ausgesprochen entspannt und in einigen Punkten auch einfach anders als Deutschland. Einige dieser Unterschiede sollte man im Idealfall bereits vor der Reise kennen. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Norwegen in Zahlen
Norwegen ist erheblich größer und vor allem länger, als es auf einer Europakarte zunächst wirkt. Das norwegische Festland erstreckt sich von Süden nach Norden über rund 1.752 Kilometer. Die Fläche des Königreichs einschließlich Svalbard und Jan Mayen beträgt rund 384.500 km², davon entfallen rund 323.800 km² auf das norwegische Hauptland. Zum Vergleich: Deutschland hat eine Fläche von etwa 358.000 km² – ist also kleiner!
Gleichzeitig leben in Norwegen nur rund 5,64 Millionen Menschen. Entsprechend dünn besiedelt sind weite Teile des Landes.
Norwegen auf einen Blick
- Hauptstadt: Oslo
- Weitere große Städte: Bergen, Trondheim, Stavanger und Kristiansand
- Einwohner: rund 5,6 Millionen (Stand 2026)
- Fläche des Königreichs: rund 384.500 km²
- Nord-Süd-Ausdehnung: rund 1.752 km
- Währung: Norwegische Krone (NOK)
- Staatsform: konstitutionelle Monarchie
- EU-Mitglied: Nein
- Mitglied des EWR / Schengen-Raum: Ja / Ja
Gerade die geringe Bevölkerungsdichte merkt man außerhalb der größeren Städte sofort. Schon wenige Kilometer hinter einem Ort fährt man wieder durch Wälder, an ganz viele Seen vorbei oder durch nahezu unbewohnte Landschaften und sieht dabei keine/kaum Menschen. Das ist herrlich entschleunigend.
Norwegische Kronen statt Euro
Obwohl Norwegen wirtschaftlich sehr eng mit der Europäischen Union verbunden ist, gehört das Land bisher nicht zur EU. Zwei in der Vergangenheit stattgefundene norwegische Volksabstimmungen über einen EU-Beitritt scheiterten. Über den Europäischen Wirtschaftsraum nimmt Norwegen dennoch weitgehend am europäischen Binnenmarkt teil. Deshalb gibt es hier auch keinen Euro: Bezahlt wird mit der Norwegischen Krone, kurz NOK oder kr.
💰 Schnelle Umrechnung im Kopf
Als praktische Faustformel kann man sich folgendes merken:
100 NOK ≈ 9 bis 9,50 Euro
1 Euro ≈ 10,5 bis 11 NOK
Zum schnellen Überschlagen kann man einen Preis in NOK ungefähr durch 11 teilen.
Den aktuellen Umrechnungskurs findet Ihr u.a. auf der Webseite der Europäischen Zentralbank (EZB).
Was uns ebenfalls aufgefallen ist: Bargeld braucht man (wie in vielen weiteren nordischen Ländern (Dänemark, Schweden) praktisch nicht. Karte, Smartphone oder Smartwatch funktionieren selbst für kleinste Beträge. Norwegen gehört zu den Ländern mit dem geringsten Bargeldanteil weltweit. Man fällt eher auf, wenn man mit Bargeld bezahlt.
Norwegen ist teuer – aber nicht alles gleichermaßen
Dass Norwegen teuer ist, hört man vor der Reise ständig und liest man auch in der Vorbereitung überall. Und was sollen wir sagen: Das stimmt. Allerdings merkt man die hohen Preise bei manchen Dingen wesentlich stärker als bei anderen. Besonders deutlich wird es bei Lebensmitteln, Süßigkeiten, Softdrinks, Fleisch, Restaurantbesuchen, Alkohol, Tabakwaren und importierten Markenartikeln. Gerade bei deutschen Konsumgütern, deren Preis man aus Deutschland ziemlich genau kennt, sorgt der Blick aufs norwegische Preisschild regelmäßig für Erstaunen.
Die Gründe für das hohe Preisniveau sind nach meiner Recherche vielfältig. Norwegen hat ein recht hohes Lohn- und Kostenniveau, einen vergleichsweise kleinen Binnenmarkt und bei Lebensmitteln einen starken Schutz der heimischen Landwirtschaft. Hinzu kommen hohe Verbrauchssteuern, insbesondere auf Alkohol und Tabak.
💡 Spartipp
Grundnahrungsmittel, Kaffee, Süßigkeiten, Gewürze und einige haltbare Produkte kann man – soweit die Einfuhrbestimmungen dies erlauben – bereits aus Deutschland mitbringen. Frisches Brot, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse haben wir dagegen vor Ort gekauft.
Tax Free Shopping: Touristen können die Mehrwertsteuer erstattet bekommen
Eine interessante Besonderheit für ausländische Urlauber ist das norwegische Tax-Free-Shopping-System. Wer seinen Wohnsitz außerhalb Norwegens hat, kann sich bei bestimmten Einkäufen einen Teil der gezahlten norwegischen Mehrwertsteuer erstatten lassen. Das war ein Detail, der uns erst vor Ort von den freundlichen Verkäuferinnen erklärt wurde. Wichtig ist allerdings dabei: Das gilt nicht einfach für alles, was man während des Urlaubs bezahlt. Es geht um Waren, die man in Norwegen kauft und anschließend aus Norwegen ausführt. Ein Restaurantessen, eine Hotelübernachtung oder eine andere Dienstleistung lässt sich deshalb nicht nachträglich steuerfrei machen. Der normale norwegische Mehrwertsteuersatz beträgt 25 Prozent. Für bestimmte Waren und Leistungen gelten niedrigere Sätze, beispielsweise für Lebensmittel.
🛍️ So funktioniert Tax Free
- Beim Einkauf nach „Tax Free“ fragen.
- Reisepass oder Personalausweis bereithalten.
- Tax-Free-Unterlagen (ähnlich wie eine Quittung) vom Händler ausstellen lassen.
- Belege der gekauften Waren bei der Ausreise oder an speziellen offiziellen Stellen vorzeigen.
- Die Erstattung, beispielsweise auf die Kreditkarte, erhalten.
In manchen Geschäften funktioniert die Rückerstattung über Dienstleister wie Global Blue oder Planet. Diese behalten allerdings eine Bearbeitungsgebühr ein. Man bekommt deshalb nicht die komplette gezahlte Mehrwertsteuer zurück. In den Geschäften, in denen wir eingekauft haben, war das allerdings nicht der Fall. In Kristiansand konnte man z.B. zu einer Zweigstelle des Geschäfts gehen und erhielt dort das Geld zurück.
Alkohol in Norwegen: Beim Einkaufen auf die Uhrzeit achten
Ein Punkt, über den man tatsächlich stolpern kann, ist die norwegische Alkoholgesetzgebung. Normale Supermärkte dürfen lediglich alkoholische Getränke mit bis zu 4,7 Volumenprozent verkaufen. Wein, Spirituosen und stärkeres Bier bekommt man ausschließlich beim sogenannten staatlichen Vinmonopolet.
🍺 Achtung bei den Verkaufszeiten!
- Montag bis Freitag: meist maximal bis 20:00 Uhr
- Samstag: meist maximal bis 18:00 Uhr
- Sonntag: kein Verkauf
Das bedeutet tatsächlich: Ihr könnt am Samstag um 18:07 Uhr mit Bier an der Supermarktkasse stehen – verkauft werden darf es euch trotzdem nicht mehr – ist mir beim ersten Mal genauso passiert! Beim Vinmonopolet sind die Öffnungszeiten noch restriktiver. Häufig ist montags bis freitags bis etwa 18 Uhr und samstags nur bis etwa 16 Uhr geöffnet.
Auch bei den Altersgrenzen gibt es Unterschiede:
- Alkohol unter 22 Volumenprozent: ab 18 Jahren
- Alkohol ab 22 Volumenprozent: ab 20 Jahren
Autofahren in Norwegen: lieber wirklich an die Regeln halten
Autofahren empfanden wir in Norwegen grundsätzlich als sehr angenehm. Außerhalb der Städte ist wenig Verkehr, die Fahrweise ist überwiegend entspannt und zuvorkommend. Es sind auf den Land- und den kleinen Nebenstraßen nahezu keine Fahrzeuge unterwegs. Die Straßen sind hier teilweise so schmal, dass man wenige Zentimeter Platz zwischen zwei sich begegnenden Fahrzeugen hat – allein deswegen fährt man schon langsam und vorsichtig aneinander vorbei oder nutzt die immer wieder aufkommenden kleinen Buchten am Straßenrand. Dafür sollte man aber aus eigenem Interesse unbedingt die Verkehrsregeln ernst nehmen. Norwegen hat ausgesprochen hohe Bußgelder.
🚗 Norwegen ist bei Verkehrsverstößen kein günstiges Pflaster
Schon vergleichsweise geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen können mehrere hundert Euro kosten. Bei größeren Überschreitungen werden schnell vierstellige Beträge erreicht. Auch zu geringer Sicherheitsabstand kann mit einer Geldbuße von umgerechnet fast 1.000 Euro geahndet werden.
Kurz gesagt: Tempolimit unbedingt einhalten, Abstand halten und die Landschaft genießen. Das ist ohnehin die angenehmste Art, durch Norwegen zu fahren und schont vor allem euren Geldbeutel.
🚗 Typische Geschwindigkeitsbegrenzungen in Norwegen
| Straßenart | Typische Höchstgeschwindigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Wohn- und Nebenstraßen | 30-40 km/h | Häufig in Wohngebieten und besonders sensiblen Bereichen. |
| Innerorts | 50 km/h | Sofern keine andere Geschwindigkeit ausgeschildert ist. |
| Außerorts / Landstraße | 80 km/h | Die typische Höchstgeschwindigkeit auf norwegischen Landstraßen. |
| Gut ausgebaute Hauptstraßen | 90–100 km/h | Nur dort, wo dies ausdrücklich ausgeschildert ist. |
| Autobahn | 100–110 km/h | 110 km/h ist die höchste reguläre Geschwindigkeit auf norwegischen Autobahnen. |
Wichtig: Entscheidend ist immer die jeweilige Beschilderung. Gerade auf kurvigen Landstraßen, vor Tunneln, in Baustellenbereichen oder bei Ortsdurchfahrten gelten häufig deutlich niedrigere Tempolimits. Und die Schilder wiederholen sich nicht (häufig) – deswegen konzentriert bleiben und kein Schild übersehen, denn das kann sehr teuer werden.
Elektromobilität: Norwegen ist uns Jahre voraus
Wer mit einem Elektroauto nach Norwegen fährt, landet praktisch im Paradies der Elektromobilität. 2026 liegt der Anteil reiner Elektroautos bei den Neuzulassungen in Norwegen bei rund 97 Prozent. In einzelnen Monaten lag die Quote sogar noch höher. Entsprechend hervorragend ist die Ladeinfrastruktur. Entlang praktisch aller Hauptverkehrsrouten finden sich Schnellladestationen.
⚡ Vorteile für Elektroautos in Norwegen
- reduzierte Mautgebühren
- häufig günstigere Fährtarife
- teilweise vergünstigte Parktarife
- sehr dichte Schnellladeinfrastruktur
- viele Ladeparks entlang der Hauptverkehrsachsen
Die konkreten Vergünstigungen unterscheiden sich regional. Für uns war das Reisen mit dem E-Auto jedenfalls vollkommen unkompliziert. Die Ladeinfrastruktur ist sehr gut ausgebaut und das Laden meist günstiger, als man es aus Deutschland kennt.
Mehr dazu: AutoPASS in Norwegen – Maut mit dem Elektroauto
Angeln in Norwegen: überraschend unkompliziert
Wer gerne angelt, findet in Norwegen traumhafte Bedingungen. Dabei muss man grundsätzlich zwischen Meeresangeln und Süßwasserangeln unterscheiden.
Angeln im Meer
Das Angeln im Meer mit Angelrute oder Handleine ist grundsätzlich kostenlos und ohne Angelschein möglich. Ausländische Touristen dürfen allerdings nur Handangelgeräte verwenden. Netze, Reusen oder Langleinen sind nicht erlaubt. Mindestmaße, Schonzeiten und geschützte Arten müssen selbstverständlich beachtet werden. Der Fang darf außerdem nicht verkauft werden.
Angeln im Süßwasser
Im Süßwasser sieht es anders aus. Hier benötigt man normalerweise die Erlaubnis des Grundeigentümers, also eine sogenannte Fiskekort. Diese bekommt man vielerorts online, in Sportgeschäften, auf Campingplätzen oder teilweise sogar an Tankstellen. An Tankstellen findet man häufig gleichzeitig Köder und einfaches Angelzubehör.
Kinder unter 16 Jahren dürfen in bestimmten Zeiträumen kostenlos auf typische Binnenfische angeln, sofern es sich nicht um Gewässer mit Lachs, Meerforelle oder Seesaibling handelt.
Lachs, Meerforelle und Seesaibling
Wer gezielt Lachs, Meerforelle oder Seesaibling angeln möchte, benötigt neben der lokalen Fischereierlaubnis ab 18 Jahren zusätzlich die staatliche Fiskeravgift.
🎣 Kurz zusammengefasst
Meer: Angeln mit Rute grundsätzlich kostenlos.
Süßwasser: häufig Fiskekort erforderlich.
Unter 16 Jahren: besondere kostenlose Angelrechte für viele Binnengewässer.
Lachs & Co.: zusätzliche Vorschriften und teilweise staatliche Fischereiabgabe.
Wichtig: Lebende Fische dürfen nicht als Köder benutzt werden. Angelgerät sollte beim Wechsel zwischen verschiedenen Gewässern außerdem getrocknet oder desinfiziert werden, damit keine Fischkrankheiten übertragen werden.
Das Jedermannsrecht / Allemannsretten
Eine der schönsten norwegischen Besonderheiten ist das Allemannsretten, also das Jedermannsrecht. Vereinfacht gesagt darf sich jeder frei in der Natur bewegen – unabhängig davon, wem das Land gehört. Man darf wandern, Beeren sammeln, pausieren und unter bestimmten Bedingungen sogar sein Zelt aufstellen. Dieses Recht ist ein wesentlicher Bestandteil der norwegischen Outdoor-Kultur.
🌲 Utmark und Innmark
Utmark: freie Natur wie Wälder, Berge, Moore und viele Küstenbereiche.
Innmark: Gärten, Hausgrundstücke, Äcker und bewirtschaftete Wiesen. Hier gelten wesentlich stärkere Einschränkungen.
In der freien Natur darf man sein Zelt normalerweise mindestens 150 Meter vom nächsten bewohnten Haus oder Ferienhaus entfernt aufstellen und in der Regel bis zu zwei Nächte am selben Ort bleiben. In abgelegenen Bergregionen darf man häufig auch länger bleiben.
Das Jedermannsrecht bedeutet allerdings nicht „Ich darf alles“. Natur, Tiere und andere Menschen dürfen nicht gestört werden, Müll nimmt man selbstverständlich wieder mit.
🔥 Wichtig für Wanderer
Vom 15. April bis 15. September gilt in Norwegen ein allgemeines Verbot für offenes Feuer in oder in unmittelbarer Nähe von Wald und anderer Vegetation, sofern Brandgefahr besteht. Lokale Regeln können noch strenger sein. Das habe ich auch in unseren Wanderberichten immer wieder mal erwähnt und vor Ort entsprechend gelesen.
Ein paar norwegische Wörter helfen sofort
Mit Englisch kommt man in Norwegen praktisch überall problemlos zurecht. Trotzdem fanden wir es schön, zumindest einige alltägliche norwegische Begriffe zu kennen.
| Deutsch | Norwegisch | Ungefähre Aussprache |
|---|---|---|
| Danke | Takk | Tack |
| Vielen Dank | Tusen takk | Tüsen tack |
| Guten Morgen | God morgen | Gu morn |
| Guten Tag | God dag | Gu daag |
| Guten Abend | God kveld | Gu kwell |
| Bitte / Bitte sehr | Vær så god | Wär scho gu |
| Bitte / Sei so nett | Vær så snill | Wär scho snill |
| Guten Appetit | God appetitt | Gu appetitt |
| Gesundheit! | Prosit! | Prosit |
| Auf Wiedersehen | Ha det! | Ha de |
Besonders „Takk“ hört man ständig – und damit macht man eigentlich nie etwas falsch.
Zimt, Zimtschnecken und die Kaneldrøm
Ein eigenes Kapitel haben für uns die norwegischen Bäckereien verdient. Backwaren sind zwar ebenfalls nicht gerade günstig, aber dafür häufig wirklich hervorragend. Vor allem Zimtgebäck begegnet einem überall. Kanelboller, Kanelsnurrer oder Kanelknuter gehören fest zur skandinavischen Backtradition. Meist handelt es sich um weichen Hefeteig mit Butter, Zucker und reichlich Zimt – teilweise zusätzlich mit Vanillecreme. Zimt, Kardamom und süßer Hefeteig gehören in Skandinavien seit Generationen zur Kaffee- und Backkultur. Wer Norwegen besucht, sollte deshalb mindestens einmal eine noch warme Kanelbolle oder Kaneldrøm ausprobieren.
🥐 Unser Favorit: Kaneldrøm
Unser persönlicher Favorit war die Kaneldrøm. Dabei handelt es sich um ein weiches Hefegebäck mit Zimt und einer cremigen Vanillefüllung beziehungsweise Vanillecreme in der Mitte.
Günstig? Nein.
Unfassbar lecker? Definitiv!
Unsere Anreise: mit der Fähre von Kiel nach Oslo
Für uns begann der Norwegenurlaub bereits in Kiel. Wir haben uns bewusst für die direkte Verbindung Kiel–Oslo mit Color Line entschieden und dieselbe Strecke auf dem Rückweg wieder genutzt. Die Seestrecke beträgt rund 610 bis 620 Kilometer beziehungsweise gut 330 Seemeilen. Die Überfahrt dauert ungefähr 20 Stunden.
🚢 Unser Ablauf Kiel → Oslo
- vor 12:00 Uhr: Ankunft am Terminal in Kiel
- ca. 14:00 Uhr: Abfahrt in Kiel
- Übernachtung an Bord
- ca. 10:00 Uhr am Folgetag: Ankunft in Oslo
Wer mit dem eigenen Auto reist, sollte rechtzeitig am Fährhafen sein. Wir haben für uns die Regel gewählt: vor 12:00 Uhr am Terminal stehen. Das nimmt viel Stress aus der Anreise. Wir hatten eine Außenkabine für bis zu vier Personen. Die Kabine verfügte über vier separate Schlafplätze, ein großes Bullauge nach außen sowie ein eigenes Badezimmer mit Dusche und WC.
Abendessen am Buffet sowie Frühstück hatten wir bereits bei der Buchung ergänzt. Das würden wir wieder genauso machen. Nach dem Einchecken beginnt der Urlaub praktisch sofort. Man kann in Ruhe essen, über das Schiff laufen, sich in die Sonne setzen (auf dem Außendeck gab es genügend Stühle und sogar Sonnen-Liegen) und am nächsten Morgen bereits während der Einfahrt durch den Oslofjord die ersten Norwegen-Eindrücke sammeln.
Unser Urlaubsort Vegårshei
Unsere Unterkunft lag in Vegårshei, einer kleinen Gemeinde in Agder im südlichen Norwegen. Genau diese Lage hat uns sehr gut gefallen: weit genug im Landesinneren, um Wälder, Seen und ruhige Wandergebiete vor der Haustür zu haben, gleichzeitig aber nah genug an der Küste für Tagesausflüge nach Risør, Tvedestrand oder Arendal.
Vegårshei hat nur rund 2.250 Einwohner auf einer Fläche von etwa 356 km². Die Bevölkerungsdichte ist entsprechend sehr gering. Das Verwaltungszentrum der Gemeinde ist Myra. Für uns war gerade diese Mischung aus Ruhe, riesigen Waldgebieten, Seen und gleichzeitig überschaubaren Entfernungen zur Küste ideal.
Ein wesentlicher Bestandteil unseres Urlaubs waren die zahlreichen Wanderungen. Besonders gut gefallen hat uns, dass man in Südnorwegen nicht zwingend kilometerlange oder alpine Touren unternehmen muss, um spektakuläre Aussichtspunkte zu erreichen.
Unsere Wanderungen (rund um Vegårshei):
- Rundweg an der Küste bei Gjeving
- Besteliheia Wanderweg
- Rundwanderung um Ormfjell und Havrefjell (und Abstecher zum Torjusheller)
- Von Heiland zum Feuerwachturm auf dem Solhomfjell – ein schöner Rundwanderweg
- Wanderung zur Aussichtshütte Loftshei und Runde um Fiskebuvika
Myra
Myra ist der Hauptort und das Verwaltungszentrum von Vegårshei. Mit knapp 1.000 Einwohnern ist es kein touristischer Ort im klassischen Sinne, sondern eher das kleine Versorgungszentrum der Region. Gerade deshalb lernt man dort ein Stück Alltagsnorwegen kennen. Wichtiges Detail: In Myra gibt es einen Kiwi-Markt, wo man seine Lebensmittel einkaufen kann.
Kristiansand
Kristiansand ist das urbane Zentrum Südnorwegens und bietet einen schönen Kontrast zur Natur rund um Vegårshei. Besonders gefallen haben uns Posebyen mit seinen weißen Holzhäusern, die Innenstadt, Fiskebrygga, Christiansholm Festning und natürlich Odderøya. Odderøya liegt praktisch direkt neben der Innenstadt und verbindet Küstenwanderung, Aussichtspunkte, alte militärische Anlagen und Meer miteinander.
Risør
Risør wird als die „weiße Stadt am Skagerrak“ bezeichnet – und das passt ziemlich gut. Der historische Ortskern besteht aus hervorragend erhaltenen weißen Holzhäusern, kleinen Gassen und einem wunderschönen Hafen. Von den Aussichtspunkten Urheia und Risørflekken bekommt man zusätzlich einen großartigen Blick auf Ort, Hafen und Schärenlandschaft. Für uns ist Risør eines der schönsten Ziele an dieser Küste.
Arendal
Arendal ist deutlich größer und lebhafter. Mittelpunkt ist das Hafenbecken Pollen mit Restaurants und Cafés. Direkt daneben befindet sich Tyholmen, der älteste und am besten erhaltene Teil der Stadt mit historischen Holzhäusern und schmalen Gassen. Von Arendal aus kann man außerdem mit dem Boot zur autofreien Insel Merdø fahren. Arendal ist damit ein gutes Ziel, wenn man Shopping, Hafen, historische Architektur und Meer miteinander kombinieren möchte.
Unser Fazit zu Südnorwegen
Südnorwegen hat uns total überrascht. Wer bei Norwegen ausschließlich an dramatische Fjorde, Nordkap und die Lofoten denkt, unterschätzt den Süden des Landes. Zwischen Oslo, Vegårshei und Kristiansand findet man kilometerlange Wälder, unzählige Seen, einsame Wanderwege, kleine Gipfel mit fantastischen Aussichtspunkten, eine wunderschöne Schärenküste und gleichzeitig einige ausgesprochen sehenswerte kleine Städte.
Hinzu kommen Dinge, die einen Norwegenurlaub besonders machen: das Jedermannsrecht, eine ausgeprägte Outdoor-Kultur, eine beeindruckende Elektromobilität, entspannter Straßenverkehr, hervorragende Backwaren und Menschen, bei denen ein freundliches „Takk“ meistens schon völlig ausreicht.



